Ernährung

Nicht artgerechte Ernährung – ein modernes Märchen

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"produce" by rick (CC BY 2.0)

Wie Du weißt, verwenden wir liebend gerne Studien. Wissenschaftliches Arbeiten erfordert aber eine Menge Faktoren mehr als das pure Heraussuchen von passenden Studien. Das kann theoretisch jeder. PubMed öffnen, den englischen Begriff eingeben und die Studien durchklicken. Wenn man ganz crazy ist, liest man sich nur die Einleitungen oder das Fazit durch – hurra! Wissenschaftlich gearbeitet! Dieses Thema überlass‘ ich aber meinem Homie Ruppert, der erklärt das viel besser. Heute geht es um eine artgerechte Ernährung des Menschen.

Die EINE allgemeingültige Ernährung gibt es nicht

Hör endlich auf mit den Pauschalisierungen. Nein, wirklich. Hör einfach auf. „Milch ist schlecht – welches Tier trinkt schon die Muttermilch eines anderen Tieres?“. Okay, kurze Frage: welches Tier schlachtet andere Tiere in solchen Massenvernichtungslagern ab (wie wir Menschen) und wäscht hinterher seine Hände in Unschuld? Welches Tier zwingt sich freiwillig dazu jeden Tag Dinge zu tun, die es verabscheut (der Spruch geht an alle, die ihren Job hassen).

Verträgst Du Milch? Was spricht dann dagegen? Experte A sagt Milch ist schlecht und bringt Dich langsam um? Unsere hochgezüchteten Weizen-Erträge sind tödlich und machen fett? Warum leben dann etliche Coaches nach einer flexiblen Ernährungsform wie IIFYM und essen teilweise täglich Pizza, Nudeln und helle Brötchen? Ist doch alles keine artgerechte Ernährung!

Ich kenne Menschen, die eine Weizenunverträglichkeit besitzen und die es Jahre lang nicht verstanden haben. Die Bäuche sind steinhart und aufgebläht, nach dem Essen ist ihnen häufig schlecht, aber an der Ernährung kann es ja nicht liegen… Wieso kommt man als normaler Mensch nicht auf die Ernährung? Wenn man seinem Körper etwas zuführt, sollte man schon eine gewisse Ahnung haben, was das überhaupt ist. Ich trinke ja auch keinen Liter Rattengift und wundere mich dann, warum es mir schlagartig schlechter geht.

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Aspartam, Stevia, Fructose

Komisches Wortpaar, oder? Fructose fällt in diese Kategorie, da ein allgemeingültiger Ansatz für den Verzehr besteht. 50g Fructose sollst Du maximal aufnehmen. Wie oft habe ich das jetzt schon gehört? Die meisten Menschen, die mir das erzählen (ich stelle mich gerne dumm und frage dann nach), wissen nicht mal, warum diese Verzehrempfehlung besteht.

Aspartam wird von einigen komplett verteufelt, auch wenn die Studien etwas anderes sagen. Aber ja… die Studien sind natürlich alle von Coca Cola finanziert. Stevia wird in die neue Coca Cola Life eingebaut. Warum? Konsequent die Aspartam-Frage ausgelöscht, würde ich sagen. Bald werde ich mich von selbsternannten Ernährungsberatern anhören können, Stevia sei vom Teufel auf die Erde geschickt worden.

Übrigens: wenn Du mir in den Kommentaren verrätst, warum die Fructose-Beschränkung empfohlen wird, werde ich Dich und den Social-Media-Kanal deiner Wahl im nächsten Artikel erwähnen und mit dem Titel „Fructose-Geek“ verzieren.

Photo by Chantal Kreth (CC BY-SA 2.0)
Photo by Chantal Kreth (CC BY-SA 2.0)

Die natürlichen Schranken des Körpers – Unverträglichkeiten, wissenschaftliche Erkenntnisse

Es existieren Schranken des menschlichen Körpers. Ganz natürlich. „Jeder Stoffwechsel ist gleich“, also ist auch jeder Körper gleich, oder? Natürlich nicht. Und auch nicht jeder Stoffwechsel ist zu 100% deckungsgleich. Das wäre einfach gelogen, auch wenn die Unterschiede marginal sind. Die Schranken, von denen ich spreche, sind die Unverträglichkeiten, die dein Körper mit sich bringt. Einige vertragen keine Laktose, andere kein Milcheiweiß, wieder ein anderer reagiert schlecht auf Gluten und es soll Menschen geben, die Bananen oder Äpfel nicht essen können, da ihnen dann die Luft wegbleibt. Würdest Du diesen Menschen empfehlen ihren Vitamin-Bedarf über Äpfel und Bananen zu decken? Wohl eher nicht.

Dein Körper sagt Dir, was er nicht verträgt. Ich zum Beispiel komme nach zu viel Transfetten nicht mehr vom Klo herunter, entwickle nach einem Burger von der vorherrschenden Fast-Food-Kette Deutschlands ein ausgesprochen angenehmes Übelkeitsgefühl und drehe nach zwei Energydrinks total ab. Zugegeben: Letzteres ist einfach meine Toleranzschwelle Koffein gegenüber, aber das zeigt ganz gut die individuellen Grenzen unserer Körper.

Betrachtet man in der Mathematik eine Nullstelle einer Funktion mit dem Bisektionsverfahren wählt man zwei Grenzen. Eine kleinste obere Schranke und eine größte untere Schranke. Überschreitet man die zwei Grenzen entfernt man sich von der Nullstelle, also von dem Punkt, den wir haben möchten. Das System kann man nahtlos auf den Körper übernehmen.

Die kleinste obere Schranke sind die Toleranzen des Körpers (wie viel Gramm von Stoff A toleriert dein Körper?), die größte untere Schranke ist das Mindestmaß deines Körpers, was Du zuführen solltest – die Geeks unter uns nennen das „Grundumsatz“.

"Intolerance" by Paul O'Rear (CC BY-SA 2.0)
„Intolerance“ by Paul O’Rear (CC BY-SA 2.0)

Um die Toleranzen nicht komplett selbst herausfinden zu müssen, existiert zum Glück die Wissenschaft und ihre wunderbaren Studien. Eine Diät-Coke wird Dich nicht umbringen. Das heißt nicht, dass es Dir ohne die Diät-Coke nicht besser gehen würde. Die kleinste obere Schranke, von der ich oben sprach (versuch es Dir zu verbildlichen), gibt an ab wann der Stoff negative Auswirkungen für Dich haben wird. Es existiert natürlich noch eine größte obere Schranke. Diese wiederum gibt an, wann dein Körper nicht mehr davon verarbeiten kann. Bei einigen Stoffen tritt dann ein Wegkippen des Körpers ein: Koma-Saufen, Überdosis Heroin, Koffeinschock.

Schlusswort – artgerechte Ernährung

1. Nur weil etwas bewiesen ist, muss es Dir persönlich nicht gut tun.

2. Nur weil Dir etwas gut bekommt, heißt das nicht das es anderen auch gut bekommt.

3. Nur weil Dir etwas schlecht bekommt, heißt das nicht das es anderen auch schlecht bekommt.

4. Achte auf deine Unverträglichkeiten / Intoleranzen.

5. Stoffe, die dem Körper schaden / berauschen, sollten nur moderat / gar nicht zugeführt werden.

6. Kenne deine Grenzen (Schranken).

7. Schau nach links und rechts, bevor du die Straße überquerst.

Thomy

PS: In Vietnam essen sie halbgebrütete Eier, in Island vergammelten Hai, in Mexiko gibt es Whiskey mit Skorpionen und Schnaps mit Schlangenblut ist in einigen Gefilden auch eine Delikatesse – und Du hast Angst vor Weizen, Fructose und Zucker

 


title photo „produce“ by rick (CC BY 2.0)


10 Gedanken zu „Nicht artgerechte Ernährung – ein modernes Märchen

    1. Wir haben eine Gewinnerin!

      Da einfaches googeln wohl jeder kann, habe ich bewusst eine falsche Gramm-Angabe gemacht. Nicht mal Kollege Ruppert hat das gemerkt. RESPEKT, Jaelle!

  1. Endlich mal eine realistische Meinung! Oft wird gesagt „leben und leben lassen“, also doch bitte auch „essen und essen lassen“, oder nicht? Einer braucht nur 5 Stunden Schlaf, der andere mindestens 9 – es gibt so viele Vergleiche. Da sollte man doch auch die unterschiedlichen Nahrungsedürfnisse der Körper anerkennen können. 😉

  2. Hi Ihr 🙂

    Ich hab es so gelernt:

    Wichtig ist das bei Jeder Mahlzeit Fett, Protein und Kohelnhydrate dabei sind. So bleibt der Blutzuckerspiegel stabil. Die meisten Kohlenhydrate durch Gemüse ergänzt je nach Lust und Verträglichkeit durch etwas Getreide / Kartoffeln( besser Süßkartoffeln)

    Wer Fleisch liebt soll es essen 🙂 Aber bitte keine Massentierhaltung und in Kokosfett oder Butterschmalz gebraten.

    Obst der Saison moderart/ sehr gut Beeren

    Als Fett Sauerrahmbutter/ Weidebutter/ Kokosfett/ bestes Olivenöl/ evt. frisches Leinöl…

    Milch wird immer ein Thema bleiben

    Ich sage: wers liebt und verträgt auf die Qualität und menge achten. Milch ist ein starker Säurebildner( leider) und desw. viel Gemüse/Kräuter und Gewürze essen…

    Alles mit Maß und Ziel/ Saisonal-regional und mit Genuß.. so wurd es mir mitgegeben 😉

    Liebe Grüße an Euch

    Andy

    1. Ist in der Grundkonstante auf keinen Fall verkehrt. Ich bin aber nicht der Meinung, dass jede Mahlzeit alles beinhalten muss.
      Als Kraftsportler ist man natürlich bestrebt möglichst viel Protein aufzunehmen, aber im klassischen Pre-Workout-Shake wird man nur selten wirklich viel Protein vorfinden. Da kommen die Geeks, die 101% rausholen möchten und knallen sich BCAAs hinein… gut, kann man machen, muss man aber nicht.

      Deine Empfehlungen sind natürlich schon sehr speziell, die Auswahl an Nahrungsmitteln sicherlich eine gute Wahl, aber auch wenn ich gegen Massentierhaltung bin und sehr gerne und oft Bio-Lebensmittel kaufe, ist das auch eine Frage des Geldbeutels. Ich für meinen Teil werde niemanden verurteilen, wenn er kein Bio-Fleisch von Weiderindern aus der Region bezieht, da ich weiß, was so ein Stück Fleisch kostet. Geschmacklich ist vieles in „Bio“ tatsächlich um ein Vielfaches besser und der Verstand gibt mir als Menschen Recht, wenn ich nur noch „bio“ essen möchte, der Geldbeutel leider oft nicht. Allgemeine Richtlinien würde ich demnach nicht aufstellen wollen.

      Schönen Tag noch!

      1. Hi Thomy,

        Ja-speziell sind die Empfehlungen:-)

        ( Da ecke ich regelmäßig mit bei Bodybuildern und Leuten an die nur nach der DGE gehn)

        Und das mit dem Preis für echte Biolebensmittel trifft mich auch 🙁 Ob sich das in Zukunft ändern wird?

        Da könnt man wieder kommen mit: ,, lieber weniger und mehr Qualität und Genuß“ was sich wieder mit dem Kraftsport beißt?

        Und genau da liegt mein Problem!
        Ich möcht auch lieber weniger und besser essen. Nur das muß im Verhältnis zum Training passen/ wenn man das Gewicht halten- bzw. etwas aufbauen möcht.

        Dir auch einen schönen Nachmittag

  3. Hi Thomy,

    lese gerne die Beiträge von Form vor Gewicht, auch wenn ich aus einem etwas anderen Blogbereich komme. Bin soeben auf diesen etwas älteren Beitrag gestoßen. Ich musste beim Lesen mehrmals laut Auflachen, weil die Schreibweise gepaart aus Sarkasmus, Zynismus und Ironie (was auch immer …) mir einfach gut gefiel.

    Es ist für Menschen, die sich aus privaten Interesse sehr mit Thema Ernährung auseinadersetzen, schön zu sehen, dass es auch mal Beiträge gibt, die die gesamte ,,Pass-Auf-Was-Du-Isst-Mentalität“ auflockern 🙂

    Beste Grüße

    1. Hallo Rainer,
      danke Dir für das Feedback! Freut mich, dass Dir die lockere Art gefällt. In der Fitness- und Ernährungsszene wird gerne einmal übertrieben und Informationen geraten ungefiltert nach draußen. Leider ist auch gerade hier so, dass die gehört werden, die am lautesten schreien und am „krassesten“ aussehen – happy Anabolika 😀

      Die Image-Luderei geht mir einfach komplett gegen den Strich. Bei Dir habe ich auch schon einen Beitrag gelesen, obwohl es nicht wirklich mein Thema ist. Mit Ben stehst Du ja auch in Kontakt – weiter so!

      Thomy

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