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Machst du diesen enorm frustrierenden Trainingsfehler?

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Ich will mir ja nicht Clickbait vorwerfen lassen, aber ich komm direkt ausm Knick und gebe es zu: Der „Trainingsfehler“ aus der Überschrift ist nicht wirklich ein TRAININGSfehler. Und überhaupt wollen wir mal nicht so negativ sein und von Fehlern reden. Es geht hier mehr um die innere Einstellung zum Training, um die Erwartungshaltung und um unbequeme Wahrheiten, die leider oft verschwiegen werden. Im Prinzip knüpft der heutige Beitrag an die Geschichte von „Crossfit, den Fit Chicks und der Realität“ an. Nur, dass heute die Männlichkeit im Fokus steht.

Ein Abend vor der Glotze

Aber von vorne. Nehmen wir mal an, du bist ein durchschnittlich gebauter, 1,80 Meter großer Kerl mit durschnittlicher Genetik. Es ist der Abend irgendeines Wochentages und du hast gerade nicht besonders viel zu tun. Eigentlich hältst du gar nicht viel von Fernsehen und tust lieber andere Dinge, aber irgendwie kam der Griff zur Fernbedienung und du schaltest dich so durch die TV Programme. Irgendwo läuft ein englisches Fußball Pokalspiel, Stoke City spielt, und da vorn im Sturm eiert auch Peter Crouch rum. Du schaust keinen Fußball und hast keinen Plan wer Peter Crouch ist? Ist nicht schlimm. Der Punkt ist, Peter Crouch ist ein schlaksiger Kerl und 2,01 Meter lang.

Das Spiel entpuppt sich als verfriemelter Kick der übelsten Sorte, du schaltest weiter. Da laufen die Crossfit Games. Warum auch immer, du schaust dir das ne Weile an und siehst nun Rich Froning rumsporteln. Froning ist 1,75 Meter und wiegt um und bei 90kg. Auf seine Größe also ein ZIEMLICH massiver Typ.

Messen mit zweierlei Maß

Okay, weg vom TV. Psychologisch ist gerade etwas interessantes passiert:

Du, 1,80 Meter, würdest NIE und NIMMER annehmen, während Peter Crouch seine langen Kalkleisten über den Fußballplatz schiebt, dass du jemals noch nen Wachstumsschub bekämest und plötzlich auch 2,01 Meter lang bist. Körpergröße, das wissen wir, lässt sich nach Abschluss des Wachstums nicht weiter erhöhen.

Aber aus irgendeinem Grunde – sei es die permanente Gehirnwäsche durch Medien, aufgepumpte Schauspieler, leere Versprechungen der Supplement Hersteller, oder schlicht deshalb, weil wir andauernd meinen uns via Facebook mit unseren Mitmenschen vergleichen zu müssen –glauben viele Kerle doch tatsächlich, dass sie durch ein bisschen Hantelschubsen und nen Ernährungsplan so aussehen könnten wie Rich Froning.

Denn im Gegensatz zur Körpergröße wissen wir ja, dass man Muskeln wachsen lassen kann. Nur dass es da gewisse genetische und physiologische Grenzen gibt. Und wenn man nicht realistisch bleibt, erwarten einen statt der Profi-Athleten Figur nur Frustration und Selbstzweifel.

Das ist gut für Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln (MonsterPump Xplosion Preworkout-Hardgainer-Sonstwas Booster) und für die Urheber der verschiedensten Trainingsratgeber und „Body Transformations“ – du weißt schon, diese eBooks für „unglaubliche €89,- statt €599,-„. Denn, dass du deinen Elite-Athleten Traumkörper noch nicht erreicht hast, liegt nur an externen Faktoren. An deinen Fehlern im HANDELN. Falsche Ernährung. Falsche Nahrungsergänzung. Falscher Trainingsplan.

Photo courtesy of Runar Eilertsen (Creative Commons License)
Photo courtesy of Runar Eilertsen (Creative Commons License)

BULLSHIT!

Du jagst einem Phantom hinterher.

Einige werden mir jetzt sofort reflexhaft widersprechen. Man darf sich keine Grenzen setzen. Man muss an das Unmögliche glauben, man muss sich den Mond als Ziel setzen – und wenn man ihn nicht erreicht, ist man immerhin trotzdem im Weltraum. Grundsätzlich halte ich das für eine sehr gute Einstellung. (Bis auf die Weltraum Sache, soll immerhin ziemlich kalt und dunkel sein, und hey, ich mag schönes Wetter.)

Nichtsdestotrotz müssen wir in Sachen menschlicher Physiologie Realisten bleiben. Zum Beispiel bin ich persönlich mir relativ sicher, dass meine Chancen eines Tages wie Superman durch die Luft zu fliegen relativ gering sind.

Licht, Schatten und Steroide

Ich denke, wir brauchen einen kleinen Reality Check und müssen mit unseren Erwartungen an unser Training und unseren Körper auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Krafttraining hilft vielen Menschen, Probleme mit ihrem Selbstbewusstsein zu überwinden. Sie stecken sich Ziele, die sie erreichen.  Sie arbeiten Woche für Woche hart dafür, lösen Probleme, bleiben am Ball und schulen ihren Willen und ihre Disziplin. Sie schöpfen daraus mehr Vertrauen in sich selber und können ihren Mitmenschen und der Welt selbstbewusster gegenüber treten.

Aber es gibt auch die andere Seite der Medaille. Manche Menschen werden depressiv bzw. entwickeln starke Selbstwertkomplexe, weil sie mit ihrem Körper nicht zufrieden sind und nach ein paar Monaten immer noch nicht aussehen wie Rich Froning. Oder Georges St. Pierre. Oder Dmitry Klokov.

Die Sache ist: Wenn du 1,80m groß bist, derzeit 72kg mit 19% Körperfett wiegst und von Natur aus schmale Schultern, ein relativ breites Becken und winzige Gelenke hast – wirst du NIE aussehen wie die durchtrainiertesten Profisportler oder die Typen auf den Zeitschriften Titelseiten. Sorry.

Und zwar vor allem nicht, wenn du keine anabolen Steroide nimmst. Und das ist KEINE Aufforderung! Denn wenn du dein Geld weder mit deiner körperlichen Performance verdienst, noch damit, wie dein Körper aussieht – dann sind die potenziellen negativen gesundheitlichen Auswirkungen es einfach nicht wert.

FAKT ist, dass selbst die meisten Profi Sportler, die nicht aussehen wie übelste Superhelden-Maschinen irgendwelche verbotenen Substanzen dieser Art nehmen. Alleine schon um besser zu regenerieren und ein höheres Trainingsvolumen fahren zu können. In vielen Sportarten sind Tests leicht zu umgehen. Es gibt Experten, die einzig und allein dafür bezahlt werden, sich mit den ganzen unerlaubten Hilfsmitteln genau auszukennen und zu wissen, wie man pünktlich zum Test trotzdem wieder clean und „natural“ ist. Denn es geht um jede Menge Geld, um Ruhm und Karrieren. Bei dir gehts nur ums Ego. Dein Ego ist aber nur ein kleiner bockiger 5-jähriger. Wer bestimmt wo es lang geht? DU? Oder dieses verzogene Kind?

Akzeptiere deine Schwächen, arbeite an dir und DEINEN Talenten

Ich schreibe diese Zeilen nicht, um dich zu deprimieren. Sondern um dir den Druck und den Stress zu nehmen. Ja, die Botschaft in einem bestimmten Lebensbereich nur Durchschnitt zu sein ist hart. Etwas, das heutzutage niemand hören will. Schon gar nicht die Generation Y.

Doch es ist so wie es ist. Dein Körper, dein genetisches Potenzial: Das sind die Karten, die du bekommen hast. Man muss akzeptieren, dass man nicht immer nur Asse auf der Hand hat. Das bedeutet nicht, dass du nicht trotzdem das beste machen kannst aus dem, was dir gegeben wurde. Sei dankbar für deine Gesundheit, für deine Fähigkeit zur Bewegung, für alles, was du mit deinem Körper anstellen kannst. Denn viele Menschen haben diesen Luxus nicht.

Und hey, wenn du gut geplant vorgehst und dich reinhängst, dann kannst du wirklich große körperliche Fortschritte erzielen. Ja, auch ohne Steroide wirst du größere Klamotten brauchen, deine Oberschenkel machen den Jeanskauf zur Hölle und deine Freundin wird heimlich und ohne, dass du es merkst, deinen Bizeps anfassen (denkt sie!). Und wenn du dabei am Ende nicht aussiehst wie Rich Froning, Arnie oder The Rock – scheiß drauf! Das interessiert NIEMANDEN außer dein Ego.

Übrigens gibt es jede Menge Dinge, in denen DU besser sein kannst als all diese muskelbepackten Viecher. Finde raus, was das ist. Ich wette mit dir, dass sowohl du selber als auch die Menschen in deinem Umfeld am meisten profitieren, wenn du deine persönlichen Stärken und Talente ausbaust. Statt nur eine schlechte, unzufriedene und neurotische Kopie irgendwelcher Spitzensportler zu sein. Dein Selbstwert bemisst sich nicht an deinem Armumfang oder daran, wieviel du drückst.

Bleib gesund!

Ruppert

PS: Ich bin alles andere als Deutschrap Fan, aber ein Freund von mir hat dieses Interview mit Fler geteilt. Der Typ findet sehr einfache und deutliche Worte für die Verarsche in Hinblick auf Körperbau und gewisse Substanzen. Ansehen empfohlen!

http://youtu.be/RzrO46WOU_Q


Title photo courtesy of Runar Eilertsen (Creative Commons License)