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Der Fluch der Trainingsbooster

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„Ich hau mir noch einen Booster rein und geh dann pumpen“ hörte ich neulich in der Uni. Mir blieb fast mein Vollkornbrot mit Honig im Mund stecken. Es war noch nicht mal 12 Uhr und der Kerl braucht einen Booster, um „Pumpen“ zu können? Wenn ich trainiere, dann sind das Übungen wie schwere Kniebeuge, schweres Kreuzheben oder schweres Bankdrücken. Das hat relativ wenig mit „Pumpen“ gemein, fordert aber wesentlich mehr Energie. Ich hatte auch mal eine Zeit, in der ich „Pumpen“ war. Eine sehr einfache Zeit. Klar, etwas Anstrengung war schon dabei, aber mit dem Energieverbrauch von Verbundübungen konnte sie kaum mithalten. Wozu also ein Booster?

Stimulanzien-Geek oder „der geht ja ab wie eine Rakete!“

Vor einiger Zeit habe ich Dich schon einmal mit meinem persönlichen Streifzug gegen Trainings-Booster und Stimulanzien beglückt. Im Artikel „5 Gründe, gegen Stimulanzien“ erwähne ich neben der Darstellung der Gründe auch meine persönliche Leidensgeschichte. Darauf möchte ich heute aber nicht weiter eingehen. Wenn Du den Artikel gelesen hast, weißt Du es bereits.

Heute möchte ich Dir viel mehr vorstellen, was gegen eine Einnahme von fertig gemischten Trainingsboostern spricht. Und ja, damit meine ich alle Gemische. Von Produkt A, welches mit sämtlichen Mixturen bestehend aus allen erdenklichen Stimulanzien aufwartet, bis Produkt Y, was scheinbar nur aus 4 Bestandteilen besteht.

Was machen Trainingsbooster?

Die interessanteste Frage im Zusammenhang mit Trainingsboostern ist folgende: Was machen Trainingsbooster? Klar, sie sorgen dafür, dass Du nach der Einnahme hellwach und leistungsfähig bist. Damit ist der Fall doch geklärt, oder nicht, Sherlock? Leider nicht ganz.

Wenn dein Körper nicht leistungsfähig sein möchte / will / kann heute – was ist dann? Dann borgst Du dir einfach die Energie vom morgigen Tag. Ein tolles Energiemanagement! Atemberaubend, wie Du auf deinen Körper hörst und wie Du ihn immer wieder auf das nächste Level hebst!

Auf einmal purzeln die PRs (persönlichen Rekorde) in deinem Training. Du hebst stetig mehr nach der Einnahme eines solchen Boosters. Deine persönliche Wunderwaffe gegen deinen schwachen Körper, der das Gewicht sonst nicht bewältigen könnte. Und da liegt der Fehler. Du nimmst die Trainingsbooster, um einen neuen persönlichen Rekord aufzustellen. Du nimmst Dir die Konsistenz aus deinem Training und weißt gar nicht, wie die Leistungssteigerungen ohne diesen Mist ausgesehen hätten.

Irgendwann knallst Du dir wieder einen Booster rein, hebst ein Gewicht, was eigentlich zu schwer für dich wäre und verletzt Dich. Glückwunsch, Du hast Dir einen Bandscheibenvorfall erarbeitet. Jetzt fällst Du für 4 Wochen oder länger aus. Versteh mich nicht falsch: das kann Dir auch ohne Trainingsbooster passieren, ist aber ein Resultat aus verschiedenen Faktoren. Und Booster fördern alle Faktoren (Selbstüberschätzung, schlampige Technik, extreme Rekord-Geilheit, Überanstrengung, Unvernunft).

"2012 Tib Fib Ankle Fracture 8483" by Ted Eytan (CC BY-SA 2.0)
„2012 Tib Fib Ankle Fracture 8483“ by Ted Eytan (CC BY-SA 2.0)

Sag „NEIN!“ zu Trainingsboostern

Fassen wir nun zusammen:

  • Trainingsbooster verstärken die Faktoren, die zu Verletzungen führen.
  • Verletzungen führen zum Trainingsausfall.
  • Trainingsausfall bedeutet: keine Leistungssteigerung.
  • Keine Leistungssteigerung bedeutet „Stagnation“, obwohl eigentlich Steigerung möglich wäre.
  • Du verschenkst Zeit, obwohl das nicht notwendig wäre, für eine geile Trainingseinheit.

Andere Effekte

Doch die oben genannten Gründe (fehlende Konsistenz, Verletzungsanfälligkeit) sind nicht die einzigen Gründe gegen Trainingsbooster. Eine entscheidende Rolle spielt auch der Schlaf. Nimmst Du den Booster, der höchstwahrscheinlich mit Stimulanzien wie Koffein angereichert wurde, zu spät am Abend und möchtest nach dem Training ins Bett gehen, kann es sein, dass Du Schlafprobleme entwickelst.

Ich kenne wenig nervendere Sachen als im Bett zu liegen und nicht einschlafen zu können. Wenn man bedenkt, dass der Schlaf ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf das Training (die Regeneration) hat, dann überlegt man sich zwei mal, ob man einen Booster am späten Nachmittag oder Abend nehmen sollte.

Ein weiterer Kontra-Punkt ist die steigende Nachfrage des Körpers nach solchen Substanzen. Du wirst schleichend „süchtig“ danach (das erwähnte ich auch schon im Stimulanzien-Artikel), unter anderem auch, weil die Substanzen irgendwann so „niedrig“ dosiert nicht mehr wirken und eine größere Portion für den gleichen Effekt benötigt wird.

Meine Empfehlung an Dich, falls Du Booster regelmäßig konsumierst: leg mal eine Pause ein und beobachte, wie sich dein Verhalten zum Training verändert, wie schnell Du auch ohne vorankommst und wie es mit deiner Schlafqualität steht.

 

Ich wünsche Dir einen starken Tag,

Thomy

PS: Ich möchte mich bei Julian aka „Dr. Jot Fitness Advice“ bedanken, der mich zu diesem Artikel inspiriert hat. Er ist ein Coach, der seine Sache versteht. Seine Coaching-Philosophie deckt sich mit meinen Meinungen. Ein Blick auf seine Facebook-Seite lohnt sich! Seine Homepage befindet sich noch im Aufbau.

PPS: Ja, ich bin ein Totalverweigerer von Trainingsboostern geworden! 😉

 


title photo „Cardboard rocket“ by Matt Biddulph (CC BY-SA 2.0)